RPG-Maker Quartier

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BeitragVerfasst: Mi Mai 02, 2012 20:49 
http://www.spiegel.de/international/zeitgeist/0,1518,828588,00.html

...

Gnihihi, ich werd jetzt hier bestimmt dafür gekreuzigt, einen Diskussionsthread auf einem Spiegel-Interview aufzubauen. Aber sei's drum. Entschuldigt übrigens, dass es auf Englisch sein muss, aber die deutsche Variante ist online nicht frei abrufbar. Höchst sinnigerweise.

"Schon wieder dieses Thema?", wird jetzt manch einer fragen, der die Diskussion zwischen Xhi und mir vor einiger Zeit mitverfolgt hat, die in der vierten Auflage des FiMu-Adventskalenders mündete. Und Xhi selber vielleicht auch. Ja, schon wieder, denn die Piraten werden zunehmend ein nicht mehr wegzudenkender Teil der deutschen Politlandschaft, und glaubt man österreichischen Sonntagsfragen, nicht nur dort. Ich möchte mich nun ehrlich gesagt nicht mit der Frage nach der eigentlichen Kompetenz der Piraten auseinandersetzen, sondern mit der zentralen Frage, die ihr Tun von der Gründung an bestimmt hat: Die Frage nach dem Urheberrecht und der Daseinsberechtigung von Phänomenen wie Filesharing und Seiten wie Megaupload, requiescat in pace.

Der endgültige Auslöser, der zu diesem Thread führte, war eigentlich meine Beschäftigung mit Gas, dem vielleicht wichtigsten Projekt des deutschen Minimal-Techno-Papstes Wolfgang Voigt. Beziehungsweise ein Interview mit ihm, das ich in diesem Rahmen las, in dem er sich auch über die Musikindustrie und die zurückgehenden Verkaufszahlen äußerte. Das Statement, das vor allen Dingen hängenblieb, war, dass er das Schwarzbrennen und illegale Herunterladen von Musik als entscheidenden Faktor ansah, der den Markt kaputtmache und von dem am Ende alle gleichermaßen betroffen seien - damit meinte er wohl die kleinen wie auch selbstverständlich die großen Labels. Gut und schön, das ist ein verständlicher Vorwurf, der nur nicht sonderlich in die Tiefe geht. Anders ein Spiegel-Pro-Kontra-Doppelinterview mit dem Berliner Piraten Lauer und dem näselnden Rap-Urgestein Jan Delay, an das ich mich daraufhin zurückerinnerte. Eins vorweg, es könnte in der Tat besser sein, besonders, da der Interviewer, von dem man erwarten sollte, dass er zumindest versucht unparteiisch zu sein, sich in meinen Augen mit Aussagen wie "We have difficulty understanding why your Pirate Party is advocating an entirely unjustified, no-cost culture on the Web. You say that music, movies and even journalistic articles ought to be free." überdeutlich auf Delays Seite schlägt. Ansonsten finde ich's aber wirklich interessant, weil ich persönlich Verständnis für beide Seiten aufbringen kann - auf der einen Seite Lauer, der ein überholtes Urheberrecht reformieren möchte und nichts davon hält, Jugendliche, die sich Musik herunterladen, zu kriminalisieren, um einer Musikindustrie, die ihr Geld heute auch mit Abmahnungen verdient, wenn man so möchte, ein Zubrot zu garantieren, auf der anderen Seite Delay, der seit zwanzig Jahren mit der Musikindustrie zu tun hat, die negativen Veränderungen, die das Internet mit sich gebracht hat, hautnah miterlebt hat und seine Existenz als Künstler auch in Zukunft gesichert sehen möchte. Dementsprechend emotional, hin und wieder an der Grenze zur Polemik, argumentiert er auch, und man merkt - insbesondere, aber nicht nur am schwerst gelungenen Schlusswort - dass er alles andere als auf den Mund gefallen ist.

Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr dieses Interview lest? Brainstorming! Statements! Diskussionen! Flamewars! (Letztere, solange sie nicht zu sehr ausarten, naturellement.) Egal was, her damit.

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BeitragVerfasst: Mi Mai 02, 2012 21:37 
treeghost hat geschrieben:
Zitat:
I'm not saying his work is worthless.

Ist der irgendwie dumm? Ich hätte ihm so im Gesicht gesagt, dass seine Musik scheiße ist. Dies ist zumindestens ein Grund die Partei nicht zu wählen, wer will schon sozial zurückgebliebene bzw. introvertierte Leute als Politiker haben? Die Buben haben doch keinen Plan.

Äh... ja, aber, ich meine, soziale Inkompetenz bzw. Introvertiertheit und Diplomatie sind doch zwei ganz verschiedene Paar Schuhe - selbst wenn diese Aussage nicht ehrlich gemeint gewesen sein sollte. Zumal grade Diplomatie, wenn man es nicht mit ihr übertreibt, ein Zeichen davon sein kann, dass man sozial gar nicht so zurückgeblieben ist.

treeghost hat geschrieben:
Ich habe letztens auf meinen Paypal Account geguckt und sehe nur Spenden und Einkäufe von Bands die ich auf bandcamp gefunden habe.

Toll, dann bist du ein positives Beispiel, und ein Zeichen mehr, dass das Internet doch auch als Werbung für kleine Künstler dienen kann, wie es Lauer ausführt. Ich hoffe nur, es gibt da draußen noch viel, viel mehr von diesen "Zeichen", bzw. genug, damit die Labels, die uns wirklich etwas bedeuten, mit Internet besser dastehen als ohne. Und daran habe ich so meine Zweifel, wenn ich mir Wolfgang Voigt nochmal anschaue, selbst ein Labelbesitzer, der hier (ja, wieder der Spiegel, ist aber reiner Zufall!) davon spricht, dass er genauso vom Einbruch der Verkaufszahlen betroffen sei wie viele andere auch. Das geht dann eben auf Kosten des Backkatalogs bzw. der Erhältlichkeit der Titel darin, und das ist auch nicht so schön.

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BeitragVerfasst: Do Mai 03, 2012 18:56 
Es ist in einer auf Geld basierenden Gesellschaft eben ein gutes Recht, für seine künstlerische Arbeit Geld zu verlangen. Menschen brauchen leider Geld. Mit einer "für Unterhaltung gebe ich grundsätzlich kein Geld aus"-Einstellung werde ich mich nie abfinden können. Aber bevor sich jetzt jemand angeeckt fühlt, will ich mich lieber noch ein bisschen ausführlicher äußern:

Die Debatte bezieht sich natürlich in den meisten Fällen auf irgendwelche ohnehin zwischen Verträgen gefesselte und bevormundete Major-Label-"Künstler", die nur irgendeinen Scheiß ihrer "Plattenbosse" nachäffen und nicht ernst genommen werden können. Ich muss ja ehrlich sagen: Wenn diese ganzen Drecksfirmen von der Unwilligkeit ihrer Konsumenten, für den Müll, den sie produzieren, ihr Geld auszugeben, geschädigt werden, lacht mein Herz. Ehrlich. Wenn ein 15-jähriges Kind keinen Bock hat, für die Musik eines Jan Delay etwas zu blechen, ist das absolut super. Ob es das nun vermag oder nicht.

Aber wenn ich etwas will, dann bin ich auch dazu bereit, etwas dafür zu geben, fertig. Wenn ich einen Künstler mag und dessen Werk haben will, tue ich das grundsätzlich auf "legalem" Weg. Vorsicht hier: Ich scheiße darauf, ob legal oder illegal. Aber ich will meinen Respekt vor einem Kunstwerk dadurch äußern. Ich kann's mir glücklicherweise auch leisten, und mir ist absolut klar, dass das nicht jeder kann, obwohl jeder ein Recht auf Musik (fernab von solchen Abscheulichkeiten wie Radio) hat. Aber dann sollte man sich meiner Ansicht nach einfach eine Art Limit setzen und nicht einfach jeden Scheiß grundsätzlich kostenlos beziehen, der nicht als kostenlos konzipiert ist. Und warum? Weil meiner Meinung nach dadurch der Respekt vor dem Künstler verloren geht und so etwas wie ein Album oder ein Film zu Wegwerfware degradiert wird bzw. schnell werden kann.

Mir ist klar, dass ich mit dieser Aussage schnell in eine falsche Schublade gesteckt werden kann, und das will ich wirklich nicht. Ich find's absolut super, wenn gute (unabhängige!!) Künstler von sich aus ihre Werke kostenlos anbieten. Ich selber würde meine Musik auch grundsätzlich kostenlos veröffentlichen, selbst wenn ich einmal dafür Geld verlangen könnte. Geld darf nie der Hauptantrieb für Kunst sein, denn sie steht über der Sache und ist im Idealfall zeitlos. Aber genau, weil sie so unendlich wertvoll ist, sehe ich so eine Einstellung, wie sie heute herrscht, kritisch. Man kann sich nicht nur durch Utopien antreiben. Solange diese komische Weltordnung noch herrscht, also keine Ahnung wie lange noch, bestimmt nicht mehr allzu lange, gibt es eben Geld. Und wenn möglich, will ich das natürlich dem Künstler möglichst direkt geben. Seiten wie Bandcamp machen das meiner Meinung nach genau richtig. Auch die Herstellung guter Musik kostet im Normalfall viel Geld: Instrumente, Equipment, sonstige Technik, Mieten eines Tonstudios ... Wenn man ein bisschen über einfachen Computersound hinausgehen will, braucht man das.

Ach ja, und die Piraten mag ich mal gar nicht, aber das hat auch ganz andere Gründe. Um das jetzt nicht groß auszuführen, schließe ich mich treeghosts Polemik einfach mal an. :D

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BeitragVerfasst: Mo Jun 04, 2012 15:51 
Spät aber doch danke ich euch für die paar Kommentare, die wir doch zusammenbekommen haben. Ich möchte gern noch zwei Dinge nachreichen, und zwar nun doch den Artikel auf Deutsch inklusive einer schmerzhaften "Alter"- und "Digga"-Offensive, was in der Übersetzung zwangsläufig untergehen musste. Wogegen ich persönlich ja absolut nichts habe. Abrufbar hier ("Abschalten, Digger" <---> "Just shut them down, man"). Zweitens möchte ich gern noch auf ein paar Leserbriefe verweisen, teilweise auch von Brancheninsidern, abrufbar hier, die dieses Interview noch einmal recht interessant von verschiedenen Seiten beleuchten.

Vor allem auf Xhis monströse Darlegung möchte ich ganz gerne noch etwas eingehen. Du bestehst nun darauf, dass Informationen - und dass du zumindest in dieser Hinsicht augenscheinlich zwischen einem Ulver-Stück und einer Knopfannähanleitung keinen Unterschied machst, das haben wir ja schon durchgekaut ("Alles ist Information, Niotq.") - frei seien bzw. zu sein hätten, dass Kunst allen gehöre. Ich arbeite dran, dieser Sache mit derselben Selbstverständlichkeit zu begegnen. Ich habe ja schon in früheren Diskussionen meine Zweifel daran geäußert, dass sich die Kaufmoral der Musikinteressierten im Schnitt wirklich zum Besseren ändern würde. Eine erste Stufe in Richtung dieser reizenden, kleinen "Kunst ist für alle da"-Utopie war ja die von dir angesprochene Musikkassette, und mit dem Internet geht es munter in Riesenschritten weiter, und wenn Wolfgang Voigt, auf den ich hier nochmal verweisen möchte (ja, ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, dass er hier nicht als Musiker, sondern als Labelbesitzer spricht) meint, dass er aufgrund von "Schwarzbrennen und illegalem Herunterladen" seinen Backkatalog verhungern lassen muss, kommen mir manchmal gewisse Bedenken. Aber denken wir mal in eine andere Richtung, wenn ich schon von Labels rede: Hältst du denn auch das klassische Konzept des Labels - ob groß oder klein - für obsolet und siehst die wünschenswerte Zukunft der Musik in DIY o.Ä.? Jan Delay meint ja im Interview, er sei auf sein Label angewiesen, meint, er benötige diese riesige Infrastruktur, die nun einmal zur Vermarktung eines Künstlers dazugehört. Aber wenn ich mir dann so etwas anschaue...
Jan Delay hat geschrieben:
Viel bleibt nicht übrig, vor allem wenn du so aufwendige Videos drehst wie zum Beispiel mein "Oh Jonny". Da musst du schon ein Platin-Album haben, also 200 000 Einheiten verkaufen wie ich jetzt, damit man am Ende vielleicht ein bisschen verdient.

...stelle ich mir die Frage, ob so etwas wirklich zielführend ist. Man muss natürlich keine sauteuren Videos drehen - und das sage ich als ausdrücklicher Freund des Mediums Musikvideo -, aber wenn man, wenn man das eben doch will, nicht einmal mit einem Platinalbum finanziell einigermaßen was abschöpfen kann, muss man sich fragen, wie man einem Künstler, der kein Platinalbum abliefert, ein einigermaßen gesichertes Auskommen ermöglichen kann. Insbesondere in der von dir herbeigesehnten Utopie mit der frei verfügbaren Kunst ohne geistiges Eigentum. Kain - es muss wohl einige hundert Edits her sein - hat sich in seinem Post in diesem Zusammenhang für eine urtypische linke Forderung ausgesprochen, die Grundsicherung, denn - kein exakter Wortlaut - wenn man als Kunstschaffender denkt, die Arbeit, die man verrichtet, sei mehr wert als die Arbeit einer alleinerziehenden Reinigungskraft, sollte man vielleicht einmal von seinem hohen Ross herunterkommen. Man überlege sich, was das für Bands hieße, die hochwertige Musik aus Spaß an der Freude machen, und nicht, um damit reich zu werden. Großartigen Bands wie Aereogramme wäre der "neverending financial struggle", dessentwegen sie sich bedauerlicherweise aufgelöst haben, so um einiges erleichtert worden. Wäre das denn eine Lösung?

Zuletzt will ich noch auf einen Punkt gegen Ende zu sprechen kommen, der mich etwas irritiert: Diese schablonenhafte Schwarz-Weiß-Zeichnung der Kunstschaffenden, auf der einen Seite jene, denen es vordergründig darum geht, etwas zu schaffen, das einen... nennen wir es "Beitrag zur Menschheit" darstellt, auf der anderen Seite jene, die Geld verdienen wollen. Kann man es einem Künstler denn übelnehmen, dass er darauf aus ist, mit großartiger Musik auch etwas mehr zu erreichen als das bloße finanzielle Auskommen? Ich frage ja nur.

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BeitragVerfasst: Do Jun 07, 2012 11:00 
Xhi hat geschrieben:
Eizi Eiz scheint sich selbst in einer erhabenen Position zu wähnen, denn er hat ja seinen Majordeal und kann das, was er unter "good music" versteht oder verstehen will, für viel Geld vermarkten

Um die doppelmoralistische Schiene zu verdeutlichen, die er da fährt, hier noch ein Nachtrag in Form eines Heise-Artikels:
heise online hat geschrieben:
"Alles miese Schweine": Jan Delay schießt scharf gegen Abmahnanwälte

Der Hamburger Musiker Jan Delay hat auf seiner Facebook-Seite die Praktiken von Abmahnanwälten kritisiert. Laut Delay habe es allein im letzten Jahr 800.000 Abmahnungsverfahren wegen illegaler Downloads gegeben. "Windige Anwälte beschäftigen Billiglöhner, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als IP-Adresse von illegalen Saugern aufzuschreiben um diese mit einem Bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 Euro abzumahnen." In der Tat sind außergerichtliche Unterlassungsforderungen für Rechtsanwälte ein gutes Geschäft – das lukrativer sein kann als der reguläre Verkauf (siehe auch c't-Artikel "Die Abmahn-Industrie", kostenloses PDF).

Jan Delay berichtet auf Facebook, dass im letzten Jahr 1,2 Milliarden Euro durch solche Abmahnungen zusammengekommen seien. Und weiter: "Die Künstler sehen davon nix! [Die Abmahnanwälte] sind alles miese Schweine! Saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen!" Kurz darauf relativierte der Musiker seine "ein wenig impulsiven" Äußerungen. So rufe er lediglich dazu auf, sich beim Saugen von "schlechter oder ohne Herzblut gemachter Musik" nicht erwischen zu lassen. Musik von Künstlern, die man gut findet, solle man kaufen. Außerdem habe ihn seine Plattenfirma Universal darauf hingewiesen, dass auf Delays letzter Abrechnung ein "nicht ganz geringer" Betrag zu finden sei, der aus Abmahnaktivitäten stammt. "Dieses ekelige Kriegsgewinnler-Geld will ich aber gar nicht haben! Ich werde das komplett spenden, auch in Zukunft! Und es ändert nichts daran, dass ich diese Art von Geschäftemacherei, um die einbrechenden Umsätze zu kompensieren, ein Unding finde!", schreibt Delay.

Der Musiker regt ein neues, gerechteres System an: "Ich verlange, dass sich die drei "Großen" mit all den kleinen Labels und all den wichtigen Institutionen wie GEMA, GVL, Rundfunkrat und Helmut Schmidt zusammen an einen Tisch setzen. Dass sie ihre Penisse wieder einrollen, ihre Egos an der Garderobe abgeben und auch unter Eingeständnisse von Einbußen alle zusammen eine Lösung finden, die für jeden gerecht ist."

Wir fassen zusammen: Delay spielt sich im Spiegel-Interview noch als Retter des Urheberrechts und Verteidiger des Majorlabeldiktats auf und meint hier nun, das "Saugen von schlechter oder ohne Herzblut gemachter Musik" sei in Ordnung, ganz so, als ob er zu bestimmen hätte, was das überhaupt ist. Wenn man im Hinblick darauf nun noch berücksichtigt, dass er nach wie vor dem Luftschloss nachhängt, dass Menschen, die "gute Musik" machen, auch bei den großen Labels landen, ist das schon arg bedenklich.

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BeitragVerfasst: Do Jun 07, 2012 17:16 
Armselig wie Xhi den Schmidt mit Unwahrheiten niedermacht, weil dieser eine andere Meinung hat. Schmidt lebte jahrelang in Armut und Obskurität. Reemtsma gab ihm 350.000 Mark - zwei Jahre vor dem Tode Schmidts. Der Raubdruck von "Zettels Traum" hat ihn um das Geld der zweiten Auflage gebracht - das Geld der Nachdrucker konnte er nicht annehmen, weil er gegenüber dem Verlag sonst vertragsbrüchig geworden wäre. Dann noch aus dem Wikipedia-Zitat abzuleiten, daß es sich um einen "Wichser sondergleichen" handelt - bravourös!


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BeitragVerfasst: Di Jun 12, 2012 12:50 
Wenn Untertitel urheberrechtsgeschützt sind, müssten es ja eigentlich auch Zitate sein, da Untertitel nichts als Zitatreihen sind? In dem Sinne müssten ziemlich viele Seiten in Kürze ziemlich heftige Probleme kriegen, oder? Allein schon Wikiquotes.


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 Betreff des Beitrags: Re:
BeitragVerfasst: Di Jun 12, 2012 18:57 
Helenarrrrr hat geschrieben:
Wenn Untertitel urheberrechtsgeschützt sind, müssten es ja eigentlich auch Zitate sein, da Untertitel nichts als Zitatreihen sind? In dem Sinne müssten ziemlich viele Seiten in Kürze ziemlich heftige Probleme kriegen, oder? Allein schon Wikiquotes.

Fänd ich super. Je abstruser desto besser. Vielleicht fällt so jemandem dann auf, dass wir den ganzen Mist kollektiv abschaffen sollten.

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BeitragVerfasst: Di Jun 12, 2012 19:00 
>Schaffe Copyright ab
>Viele werden plötzlich nicht mehr bezahlt

Ganz so einfach ist es ja nun auch wieder nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re:
BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 12:28 
Helenarrrrr hat geschrieben:
>Schaffe Copyright ab
>Viele werden plötzlich nicht mehr bezahlt

Ganz so einfach ist es ja nun auch wieder nicht.

>Deutschland Ende 18. Jahrhundert
>Kein Copyright im Land
>Volk der Dichter und Denker

Ganz so falsch scheint es aber auch nicht zu sein.

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BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 12:44 
wie die musik eines künstlers vermarktet wird ist letztendlich immer seine eigene entscheidung und ob jetzt major oder independent - man zahlt eigentlich ähnliche preise für mp3s. ob ein künstler seine mukke gratis weggeben möchte (name ur price) oder ob er 10 euro dafür haben will ist einfach net die sache der verbraucher! und wenn man das geld nicht bezahlen will hört man sich die mukke nicht an (und das argument mit: "ich lade runter und wenns mir gefällt kaufe ich mir das album und gehe aufs konzert blahblah" zieht doch wohl überhaupt nicht - heutzutage bietet JEDER prelistening seiner mukke an!) - da gibt es doch wohl keine diskussion.

und ich habe auch keine ahnung wie man die (vollkommen begrüßenswerte) "diversifizierung" der musikszene/labels irgendwie mit der erosion des urheberrechts in verbindung bringen kann. major labels würden genauso zugrunde gehen wenn man das derzeitige urheberrecht strikt durchsetzen oder sich alle brav ans urheberrecht halten würden.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 14:56 
Xhi hat geschrieben:
;)

Egal, wie viel du zwinkerst, es einfach komplett abschaffen reitet trotzdem alles in die Scheiße.
Siehe auch Noriegas Beitrag.

Ich wollte ja nicht sagen, dass alles gut ist, wie es ist.


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BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 17:32 
Xhi hat geschrieben:
Noriega hat geschrieben:
wie die musik eines künstlers vermarktet wird ist letztendlich immer seine eigene entscheidung


Nein, wurde bereits besprochen. Lies oder lass es.

Zitat:
und wenn man das geld nicht bezahlen will hört man sich die mukke nicht an (und das argument mit: "ich lade runter und wenns mir gefällt kaufe ich mir das album und gehe aufs konzert blahblah" zieht doch wohl überhaupt nicht - heutzutage bietet JEDER prelistening seiner mukke an!) - da gibt es doch wohl keine diskussion.


Was bist du bitte für'n Heuchler? Die ganzen Rap-Sachen, die du hier andauernd mit anderen teilst, hast du mit Sicherheit nicht alle in deinem Plattenschrank. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht einmal einen Bruchteil davon.
Und ja, so gut wie JEDER bietet Pre-Listenings auf Youtube in voller Länge an, die man sich mit einem Klick runterladen kann. Merkst du was?
30-Sekunden Samples bei iTunes oder Amazon sind KEINE Gelegenheit in ein Stück, geschweige denn ein Album reinzuhören. Darüber gibt's keine Diskussion.

Zitat:
und ich habe auch keine ahnung wie man die (vollkommen begrüßenswerte) "diversifizierung" der musikszene/labels irgendwie mit der erosion des urheberrechts in verbindung bringen kann.


Lies genauer, dann verstehe.

Zitat:
major labels würden genauso zugrunde gehen wenn man das derzeitige urheberrecht strikt durchsetzen oder sich alle brav ans urheberrecht halten würden.


Ah, und warum?

Fran hat geschrieben:
Egal, wie viel du zwinkerst, es einfach komplett abschaffen reitet trotzdem alles in die Scheiße.


Du wiederholst dich. Wo begründest du das nochmal?

Zitat:
Ich wollte ja nicht sagen, dass alles gut ist, wie es ist.


Und ich sagte nirgendwo, alles sofort radikal abschaffen und Schlaraffenland. Meine Güte.


1. keiner zwingt jemanden irgendwelche verträge zu unterschreiben. jemand der beim major signt tut das freiwillig.
2. ich habe 75-100 platten (davon ein großteil nichtmal rap), alles gerippt und ne menge digital downloads. wen interessiert das man? kack dich nicht ein.
3. es geht auch nicht um 30 sek prelistenings... jeder künstler der seine mukke an den mann bringen will bietet prelistenings in voller länge an.
4. nicht die filesharer sondern das internet als plattform bietet küntlern die möglichkeit verbreitet und gehört zu werden. gratis mukke würde es auch mit voller durchsetzung des urheberrechts geben. illegale downloads schaden unabhängigen künstlern genauso sehr wie major-künstlern. vielleicht sogar mehr weil sie eher auf verkäufe angewiesen sind.

du bist ja permanent auf krawall gebürstet, rauch mal einen XD

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BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 18:13 
Xhi hat geschrieben:
Und ich sagte nirgendwo, alles sofort radikal abschaffen und Schlaraffenland. Meine Güte.

Ne, das war Askr. Deswegen habe ich ja auch ihm gesagt, dass einfach abschaffen keine Lösung ist.
Aber wahrscheinlich hat er das auch nicht so extrem gemeint, wie er's gesagt hat.
:lenny:


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BeitragVerfasst: Mi Jun 13, 2012 23:19 
Xhi hat geschrieben:
Zitat:
"Be that as it may, the record industry's failings are no reason to legalize file sharing sites. Even the term is wrong. It sounds so harmless. Nothing is being shared. My songs are being copied for free.".

Exakt, und dagegen ist nur dann etwas einzuwenden, wenn man monetär verblendet, kulturell verklärt, philosophisch verkommen oder praktisch verblödet ist. Ein Poet verlangt kein Geld für das Lesen seines Gedichtes, ob im stillen Kämmerlein oder auf der großen Bühne, ein Architekt verlangt keine Gebühr, jedes mal wenn jemand den Türrahmen durchschreitet, das Fenster öffnet oder die Treppenstufen nutzt, die ein Teil seines Werkes sind. So etwas wie "geistiges Eigentum" gibt es nicht, es ist eine wirtschaftliche Erfindung und in keinster Weise ethisch vertretbar.

Als ob es so etwas wie "ethische Vertretbarkeit" geben würde. (Soviel zu philosophischer Verkommenheit.)

Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logicos-philosophicus hat geschrieben:
6.41
Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen. In der Welt ist alles, wie es ist, und geschieht alles, wie es geschieht; es gibt in ihr keinen Wert - und wenn es ihn gäbe, so hätte er keinen Wert.
Wenn es einen Wert gibt, der Wert hat, so muss er außerhalb alles Geschehens und So-Seins liegen. Denn alles Geschehen und So-Sein ist zufällig.
Was es nichtzufällig macht, kann nicht in der Welt liegen, denn sonst wäre dies wieder zufällig.
Es muss außerhalb der Welt liegen.
6.42
Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben.
Sätze können nichts Höheres ausdrücken.
6.421
Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt.
Die Ethik ist transzendental.
(Ethik und Ästhetik sind Eins.)

Abgesehen davon geht es doch einfach nur darum, an Geld zu kommen. Deinen Bettler-Poeten lass ich jetzt mal außen vor, aber ein Architekt möchte doch i.d.R. entlohnt werden. Und ist "Eigentum" an sich nicht auch eine wirtschaftliche Erfindung? Soll der Begriff "wirtschaftliche Erfindung" ein Schimpfwort sein?

Xhi hat geschrieben:
Die Information, speziell die freie Information, in all ihren Facetten, Formen und Farben hat sich als die entscheidende Kraft und Mobilisierung in der Welt etabliert. Die Absolutheit, mit der wir ihre Bedeutung erkannt haben, erfasst alles in ihrer Sphäre - das geht weit, weit über die Nichtigkeiten einer im Sterben liegenden Industrie hinaus (denn alle Industrien befinden sich im Prozess ihrer Verwesung).

Alle Industrien liegen im Sterben oder sind bereits tot? Wieso fällt mir das nicht auf, wenn ich in den Supermarkt gehe, oder bei Amazon bestelle? Hättest du da mal eine Quelle für mich?

Xhi hat geschrieben:
Der Künstler arbeitet exakt in dieser Sphäre des immateriellen. Ein grundlegendes Missverständnis besteht hier zwischen der vermeintlichen weil vollkommen artifiziellen (xD) Verbindung von Kunst und Geld, bzw. Kunst und Mehrwert, der quasi besteuert werden soll - diese Verbindung ist natürlich Unsinn, insbesondere auf Kunstformen bezogen, die in direkter Verbindung zur Zeit stehen, die sie erst realisierbar macht, also Film, Musik, Tanz etc.

Aber steht denn nicht alles mit dem du dich beschäftigst, in direkter Verbindung mit der Zeit? Nahrungsaufnahme geschieht ja zum Beispiel auch nicht instantiös, und Lebensmittel werden nicht erst bezahlt, wenn sie gegessen und verdaut werden. Ich sehe da keinen prinzipiellen Unterschied zum Musikkonsum.

Xhi hat geschrieben:
Es war eine Frage der von oben herab psycho-sozial kalkulierten Verträglich- und Empfindlichkeit eines dummgezüchteten Pöbels, der seit Jahrzehnten, zwangsläufig, so viel Kot und Erbrochenes runterschlang, dass er nach nichts anderem mehr verlangte, nichts anderes mehr kannte.

Vielleicht war es ja auch der Pöbel, der die Industrie mit seinem Kaufverhalten verdummte.

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